Newsletter Frühjahr 2021

 

Liebe Freundinnen und Freunde!

Die ersten warmen Tage in diesem Jahr. Ein verheißungsvolles Jahr für uns. Gestern waren wir auf der Baustelle des Neubaus für das Frauen- und Kinderschutzhaus. Es steht da! Die Räume sind lichtdurchflutet und groß. Wir können hineingehen, hoch und runter, Wände anfassen, Fenster öffnen und doch ist es unwirklich. Da ziehen die Frauen mit ihren Kindern und wir im Herbst ein. Das müssen wir uns immer wieder sagen.


Und bis dahin muss noch einiges geplant und vor allem finanziert werden. Wir erfahren große Hilfe für die Möblierung durch den Rotary Club, die Stadtwerke Troisdorf und die VR-Bank. Danke schön an alle, die beim Crowdfunding mitgemacht haben. Es ist gut zu wissen, dass so viele hinter uns stehen.  

Das Haus ist ein Teil. Die Möbel sind ein Teil. Jetzt sind wir dabei die „kleinteilige“ Ausstattung zu planen. Wir legen Wert auf eine stabile und gleichzeitig freundliche Ausstattung der Räume. Sie spiegelt den Bedarf der Frauen und Kinder wieder. Nach erlebter häuslicher Gewalt braucht man Stabilität und Wertschätzung. So sollen die Räume den Prozess der Genesung und Perspektivplanung unterstützen. Sie sollen schützen und gleichzeitig einen Impuls für Ordnung und Überblick setzen.  

Allein die Umstellung von einer Gemeinschaftsküche mit zwei Herden und Spülen auf 12 Küchen ist groß. Wir brauchen viel mehr Inventar - allein dafür. Konkret bedeutet das, wir brauchen weiterhin Spendengelder für Töpfe, Teller, Besteck, Putzutensilien,… Gardinen, Bettwäsche, Spiegel, Handtücher, Pflanzen, Farbe…. 

 

…für wen, das alles?

Im fünften Jahr in Folge verzeichnet die Polizeiliche Kriminalstatistik einen Anstieg der häuslichen Gewalt in Deutschland. Die überwältigende Mehrheit der Betroffenen sind Frauen.

Gemeinsam mit Bundesfamilienministerium veröffentlichte das Bundeskriminalamt am im November 2020 die jährliche Kriminalstatistik zu Partnerschaftsgewalt in Deutschland.

Insgesamt 141 792 Opfer häuslicher Gewalt erfasste die Polizei für das Jahr 2019. 81 Prozent der Betroffenen (114 903) waren Frauen.

Femizide als Spitze des Eisbergs

Für 117 Frauen endete die Gewalt durch den (Ex-)Partner tödlich. Damit ergibt sich abermals das erschreckende Bild von einer getöteten Frau an jedem dritten Tag. 301 Tötungsversuche an Frauen durch den (ehemaligen) Partner wurden erfasst. 

Hinzu kommt, dass die Zahlen lediglich das sogenannte Hellfeld abbilden. Es ist davon auszugehen, dass polizeilich nur ein Bruchteil der Gewalttaten in Partnerschaften erfasst wird. Die besonderen Entwicklungen während Lockdown und Pandemie finden in der Statistik 2019 noch keine Berücksichtigung.

Das neue und größere Frauen- und Kinderschutzhaus Troisdorf ist ein notwendiger Schritt diesen Zahlen zu begegnen. Allen, die sich an der Entscheidung und an der Umsetzung sei es durch Spenden oder politische Arbeit beteiligt haben wollen wir danken!

Nachtrag: Leider hat der Sozialausschuss des Rhein-Sieg-Kreises fast alle Anträge von uns abgelehnt. Das bedeutet: die Kosten für den Umzug, den Rückbau des alten Hauses, (z.B. ein Spielplatz muss wieder ein Garten werden, Wände, Terrasse müssen zurückgebaut werden), die Ausstattung (Inventar für alle Wohnungen und Büros abzüglich, was wir hier haben) werden auf den Tagesmietsatz für die Frauen drauf gerechnet. Das bedeutet für die Frauen: wenn sie im ALG II- Bezug ist, übernimmt das zuständige Jobcenter der Heimatgemeinde die Kosten, hat sie aber Einkommen z.B. weil sie Unterhalt für die Kinder bekommt muss sie sich an den Kosten ihres Frauenhausaufenthalts beteiligen. Ist sie Studierende, Rentnerin, im Asyl, Schülerin oder EU-Bürgerin ist sie Selbstzahlerin der gesamten Kosten. Zurzeit beträgt der Tagesmietsatz für unser Haus knapp 10€ pro Person pro Tag. Macht für eine Frau mit zwei Kindern im Monat 900 € Das ist kaum zu schaffen. Und erhöht den Zugang zu Schutz und Begleitung. Für die Verwaltung ist die Tagessatzfinanzierung eine günstige Lösung, die Herkunftsgemeinden müssen zahlen. Was regt uns daran so auf? Einmalige Kosten, die ausschließlich durch den Umzug und die Vergrößerung entstehen, werden wie Instandhaltungskosten behandelt und sollen durch die Frauen getragen werden. Die hier sind weil sie Opfer häuslicher Gewalt geworden sind. Wir müssen Spenden für basale Ausgaben wie Töpfe und Teller verwenden, die besser in Ferienaktionen oder einen neuen Schulranzen für ein Kind investiert wären. 

Detaillierte Informationen zu der Kritik an der Tagesmietsatzfinanzierung von Frauenhäusern findet ihr hier:  
https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwiq2ojXhKjvAhVSr6QKHSrtCqcQFjAFegQIAxAD&url=https%3A%2F%2Fwww.frauenhauskoordinierung.de%2Ffileadmin%2Fredakteure%2FPublikationen%2FStellungnahmen%2FAblehnung_der_Tagessaetze_durch_Frauenhaeuser.pdf&usg=AOvVaw0l-gbl1y7pNZgaQ053_NiH

Aus technischen Gründen geht der Newsletter leider erst verspätet an alle raus. Nichts desto trotz:

Wünschen wir allen Frauen Gerechtigkeit, Freiheit und unbedingte Liebe. Alles Gute zum Weltfrauentag – und an jedem Tag im Jahr!       

 

Liebe Grüße  

das Team des Frauen- und Kinderschutzhauses