Newsletter September/Oktober 2015

Liebe Freundinnen und Freunde,

heute feiern wir im Haus das Opferfest. Die Bewohnerinnen kochen, wir steuern Kuchen, Getränke bei. Zusammen sitzen wir in unserer Küche und auf der Terrasse. Alle Frauen und Kinder, bunt , laut und lebendig. Wie schön, feiern können wir ja!

Manchmal ist es unvorstellbar, dass sie vor noch nicht so langer Zeit unfrei und verletzt waren. In dieser Woche haben wir im Kreishaus zum Thema Formen von Gewalt und Trennungsbarrieren einen Workshop gehalten. Kolleginnen und Kollegen aus dem Jugendamt, der Polizei, Kindertagesstätten, Gleichstellungsstellen hatten sich angemeldet, um mehr zu verstehen über häusliche Gewalt.

Formen von Gewalt sind neben körperlichen Übergriffen: Isolation, die Frau darf keine selbstgewählten Kontakte pflegen zur Nachbarin, anderen Eltern, Kollegen…, sie verfügt entweder über kein eigenes Konto oder hat keine Kenntnisse über das Familieneinkommen. Große Entscheidungen, werden nur vom Partner getroffen. Es gehört die psychische Gewalt dazu: Sie wird vor sich selbst und anderen demontiert. Ihr Verstand wird angezweifelt, es wird mit Ämtern gedroht (in Obhutnahme der Kinder, Abschiebung ins Heimatland), persönliche Gegenstände werden zerstört, Haustiere gequält…Sexualisierte Gewalt wird von vielen Frauen häufig gar nicht als Gewalt gegen sie erkannt. Nicht zuletzt bestimmt er über die Rollenbilder. Er definiert was ist männlich und was ist weiblich. Und wenn körperliche Gewalt stattfand, braucht es dann nur noch eine Geste, ein Blick als Andeutung. Sofort fühlt sich die Frau massiv bedroht und reagiert mit großer Angst und Stress.

Die Folgen neben körperlichen Verletzungen sind ein völlig verzerrtes Selbstbild, ein zerstörter Selbstwert, Angstzustände, Schlafstörungen…, ein nicht mehr zur Ruhe kommen.

Und warum trennen die sich nicht? Zunächst, weil die Frauen ihren Männern glauben. Er regelt alles mit Behörden, den Schulen, er geht arbeiten, er spricht vielleicht gut Deutsch, fährt Auto…Das heißt die Drohungen mit dem Jugendamt, der Ausländerbehörde werden ernst genommen. Sie hat über Jahre vielleicht gehört, dass sie nichts wert ist und ihr nichts zusteht. Wovon soll sie leben? Wenn sie kein Deutsch kann und keine Freunde hat, wird eine Trennung nur schwer vorstellbar. Woher soll sie Mut und Kraft schöpfen? Denn das ist, was man braucht auch ganz ohne Gewalterfahrung. Der ganz normale Wahnsinn einer Trennung braucht: Mut, Kraft und Fürsprecher.

Was für ein Glück, dass alle unsere Bewohnerinnen, den Schritt geschafft haben. Ein Glück für sie und für ihre Kinder. Denn es bleibt selbstverständlich nicht ohne Folgen für die Kinder in so einer Atmosphäre heranzuwachsen. Das ist für uns jeden Tag spürbar. Neben der Arbeit mit den Frauen leisten wir hier täglich Jugendhilfe mit zu wenig Personalstunden. Aber das wird unser nächstes großes Projekt. Die Konzeptweiterentwicklung vom Frauenhaus zum Frauen-und Kinderschutzhaus. Darüber berichten wir dann noch ausführlich.

Vor 23 Jahren gründete Monika Engin mit einigen engagierten und mutigen Frauen den Verein Frauen helfen Frauen (damals noch Much-Ruppichteroth e.V.) Sie wurde Mitarbeiterin und Vorstandsfrau. Sie hat in all den Jahren gekämpft wie eine Löwin für den Verein, für die Frauen und gegen Gewalt an Frauen. Immer laut und deutlich. Niemals kleinlaut. (Ach, Du fehlst uns jetzt schon!) Nun ist Monika in Rente gegangen. Wir haben sie am 19.09. mit einem Festakt verabschiedet. Es kamen WegbegleiterInnen, UnterstützerInnen, ehemalige und natürlich aktuelle Bewohnerinnen und Kolleginnen, die stellvertretende Bürgermeisterin aus Troisdorf,…ein großes Wiedersehen, ein trauriger Abschied, Lobeshymnen, köstliches Essen und Akrobatik mit den Kindern- ein gelungenes Fest. Wie gesagt, feiern können wir!

Wir suchen dringen eine Wohnung für eine Frau mit Baby!

Außerdem brauchen wir für eine Bewohnerin im Auszug, eine gut erhaltene Waschmaschine.

 

ganz liebe Grüße

Euer Frauenhaus-Team

Träger:
Frauen helfen Frauen Troisdorf e.V.
Postfach 1221
53822 Troisdorf
Telefon: 02241/148 4934
Telefax: 02241/932 108
freundeskreis@frauenhaus-troisdorf.de
www.frauenhelfenfrauenev.de

Förderung

Wir brauchen Ihre Unterstützung.
Ihre Förderung kommt direkt den betroffenen Frauen und Kindern zugute.

Spendenkonto:
Kreissparkasse Köln
Konto-Nr.: 0027 003 607
BLZ: 37 050 299

Newsletter

Falls Sie unseren Newsletter nicht mehr erhalten möchten, können Sie ihn hier abbestellen.

Unterstützen Sie uns mit
Ihrem Online-Einkauf
ohne Extrakosten

Newsletter

Haben Sie Interesse, regelmäßig über unsere Arbeit informiert zu werden? Dann können Sie hier unseren Newsletter bestellen.